LTE-Anbieter
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| Einführung für das erste Halbjahr 2011 geplant |
LTE kurz vor dem Start
Die geplante Aufrüstung der deutschen Mobilfunknetze auf den neuen Standard LTE nimmt allmählich Konturen an. Klar ist mittlerweile, dass die bis zu 100 MBit pro Sekunde, die mit LTE bereits in der ersten Ausbaustufe theoretisch erreichbar sind, dabei keine Rolle spielen. Die Dimensionierung der Systeme wird deutlich bescheidener ausfallen. Vodafone plant beispielsweise, zunächst mobile Internetzugänge mit 3 MBit pro Sekunde anzubieten. In den gegenwärtigen Planungen dient LTE primär als Festnetzersatz, um noch vorhandene Lücken in der Breitbandversorgung zu schließen. Die Bedingungen der im Mai 2010 abgeschlossenen Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen sahen ausdrücklich vor, dass eine Nutzung in Ballungsräumen erst gestattet ist, wenn auch unterversorgte ländliche Regionen erschlossen sind.
Die Pläne der Netzbetreiber
Vodafone will im September 2010 mit der Umrüstung seiner Basisstationen beginnen. Mittelfristig ist die Aufrüstung aller Stationen geplant. Das kurzfristige Ziel bis 2011 lautet, 1.500 Basisstationen LTE-fähig zu machen. Dabei sollen vorrangig Regionen berücksichtigt werden, in denen sich viele Kunden unter www.turbo-surfen.de als Interessenten registriert haben. Ob das ernst gemeint oder eher ein Werbegag ist, wird sich bald erweisen.
Nicht wesentlich anders sehen die Pläne der Telekom aus. Bis 2012 sollen 10 Mrd. Euro in den Ausbau des LTE-Netzes fließen. Auch hier stehen zunächst die Regionen im Vordergrund, die bislang breitbandtechnisch kaum erschlossen waren. Ein Schwerpunkt liegt auf den relativ dünn besiedelten Regionen im Osten Deutschlands. Da die Telekom ohnehin eine Umstrukturierung des Konzerns begonnen hat, in der die Mobilfunk- und die Festnetzsparte zusammengeführt werden sollen, fügt sich LTE nahtlos in die neue Unternehmensstrategie ein.
Telefonica, die Konzernmutter von O2, ist schließlich auch auf LTE umgeschwenkt. Lange schwankte O2 zwischen einem Ausbau des UMTS-Netzes auf HSDPA+ und einer Umstellung auf LTE, aber offenbar ist jetzt die Entscheidung zugunsten von LTE gefallen. Noch im Jahr 2010 sollen in München und Halle erste LTE-Netze in Betrieb genommen werden, eine flächendeckende Umstellung soll folgen.
E-Plus ging bei der Versteigerung der 800 MHz-Frequenzen im Mai leer aus. Das Unternehmen erwägt, LTE-Übertragungskapazitäten bei andern Anbietern zu mieten, um den eigenen Kunden ein entsprechendes Angebot machen zu können.
LTE (Long Term Evolution)
LTE (Long Term Evoultion) ist ein Mobilfunkstandard, der im Rahmen des 3rd Generation Partnership Projects definiert wird und auch unter den Namen E-UTRAN (Evolved UTRAN), High Speed OFDM Packet Access (HSOPA), Super 3G, 3.9G oder 4G bekannt ist.
Die aktuelle Lage und ein kurzer Ausblick
Im Bereich des mobilen Datenempfangs steht die Entwicklung niemals still. Aktuell werden die meisten, die auch unterwegs auf einen relativ schnellen Internetzugang angewiesen sind, wahrscheinlich auf UMTS vertrauen. Im Optimalfall (der niemals erreicht wird) bietet dieser Standard bis zu 7,2 Mbit/s Download-Geschwindigkeit, was für alle Anwendungen ausreichen sollte. Da die zur Verfügung stehende Bandbreite jedoch unter allen Nutzern innerhalb eines bestimmten Bereiches aufgeteilt werden muss, kommt oft weitaus weniger beim Endkunden an.
Retter in der Not
Diese Problematik haben natürlich auch die verschiedenen Mobilfunkbetreiber der Welt erkannt und daher einen neuen, weitaus schnelleren Standard aus der Taufe gehoben. Dieser trägt den Namen LTE (Long Term Evolution) und wird wahrscheinlich auch öfter unter der Bezeichnung 4G zu finden sein. LTE ist nach UMTS der nächste Schritt in der Entwicklung des drahtlosen, mobilen Internetempfangs und stellt Bandbreiten zur Verfügung, die die von UMTS weit übertreffen. Im Moment ist LTE noch nicht 100 %ig marktreif, weswegen im Handel auch noch keine Geräte erhältlich sind, die die neue Technologie unterstützen. Einer der größten Mobilfunkbetreiber Skandinaviens startete in Städten wie Oslo und Stockholm jedoch unlängst ein Pilotprojekt, um zu untersuchen, wie sich LTE in der Praxis schlägt. Dazu wurde ein voll funktionsfähiges LTE-Netz bereitgestellt, das Daten mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s überträgt; für den Upload, also vom Empfänger zurück ins Netz, bietet LTE eine immer noch sehr hohe Geschwindigkeit von 50 Mbit/s.
Blick in die Zukunft
Natürlich sind dies nur erste Tests. Offiziell bieten die Spezifikationen Platz für bis zu 360 Mbit/s, wobei unlängst einige japanische Wissenschaftler sogar 1.200 Mbit/s erreicht haben. Ob dieser Wert jemals in der Praxis umgesetzt werden kann, und nicht nur unter Laborbedingungen, ist fraglich. Dennoch kann man deutlich die Richtung erkennen, die LTE in Zukunft einschlagen wird. Zu Beginn wollen die großen Mobilfunkbetreiber Deutschlands tatsächlich auf die oben erwähnten 50 beziehungsweise 100 Mbit/s setzen. Genau wie bei UMTS wird auch diese Bandbreite unter den Nutzern eines Gebiets aufgeteilt werden müssen. Angesichts der sehr hohen Grundbandbreite dürfte dies aber in den wenigsten Fällen zu langsam werden, der so genannte "UMTS-Effekt" wird also wahrscheinlich ausbleiben. Sollte es doch einmal eng werden, können schließlich noch die Bandbreiten angehoben werden – genug Luft nach oben ist vorhanden.
Zu viel des Guten?
Man könnte sich im Hinblick auf die heute verfügbaren Bandbreiten natürlich fragen, was man mit einer derart hohen Anbindung überhaupt anstellen soll. Diese Frage hatte sich auch in der Anfangszeit von UMTS gestellt. Nach einer gewissen Zeit wird auch hier der Bedarf ganz von selbst steigen. Bereits heute könnte man mit YouTube und ähnlichen Diensten unterwegs hochauflösende Videos ansehen, wenn die Bandbreite es zuließe. Gleichzeitiges Musik-Streaming und große Downloads müssen auch unterwegs am Notebook nicht mehr unmöglich sein.
Wann geht es los?
Die vier großen Mobilfunkbetreiber Deutschlands planen die Einführung von LTE für das erste Halbjahr 2011. Eine flächendeckende Verfügbarkeit von LTE wird es zu diesem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich noch nicht geben – das jedenfalls lässt sich aus den Erfahrungen mit der Einführung neuer Technologien in der Vergangenheit schließen. Dennoch wird es nicht mehr lange dauern, bis auch im mobilen Internet die Bremsklötze abgeschafft werden.
